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Adios Individualität – es lebe die Uniform

Adios Individualität – es lebe die Uniform

25. August 2014932Views
Foto aus dem Archiv

Lange wurde darüber diskutiert und gestritten, als gäbe es keine anderen Probleme in Las Palmas auf Gran Canaria: Eine Uniform für Taxifahrer. Zu Beginn dieses Monats war es dann soweit. Die neue Kleiderordnung trat gegen den heftigen Widerstand der Taxistas in Kraft. Nur noch wenige Tage, bis Ende August, haben die professionellen Chauffeure Zeit, ihre Arbeitskleidung endgültig den strengen Richtlinien der Stadtverwaltung anzupassen. Endlich ist Schluss mit dem Schlendrian bei der Kutscherkleidung. In Zukunft ist nur noch schwarz und hellblau erlaubt. Eine Hose aus Stoff, Jeans geht nun mal gar nicht, und dazu ein Hemd mit Knöpfen und Kragen. Wenn es wirklich sein muss, geht aber auch ein Poloshirt, solange es einfarbig hellblau und ohne irgendwelche Logos daherkommt. Strengstens verboten sind selbstverständlich kurze Hosen, egal wie das Wetter ist. Auch allzu sportlich darf der Schnitt nicht sein, klassisch elegant ist hier angesagt.

Damen dürfen Rock tragen

Da haben es die Damen unter den Fahrern schon besser. Sie dürfen einen luftigen Rock tragen, natürlich nicht zu kurz, wo kämen wir denn da hin.

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Aber immerhin waren die weiblichen Chauffeure von Anfang an darüber hinaus noch etwas freier in der Farbwahl. Nicht nur schwarz, sondern auch ein dunkles Marineblau ist bei den Röcken erlaubt. Da stellte man sich dann die Frage, ob diese Auswahlmöglichkeiten nicht doch etwas zu weit gehen und die Männer in diesem Falle nicht echt diskriminiert und benachteiligt werden. Dieses Problem hatte man recht schnell auch in der Stadtverwaltung erkannt, sodass nachgebessert wurde und nun auch die männlichen Kollegen, statt der obligatorischen schwarzen, ebenso eine dunkelblaue Hose tragen dürfen, solange es natürlich keine Blue Jeans sind. Was weder bei den Männern noch bei den Frauen erlaubt ist, sind ärmellose Oberteile. Endlich ist Schluss mit dem freien Blick auf buschige Achselbehaarung. Vielleicht ist die Kleidervorschrift doch gar nicht so schlecht. Ist eigentlich die Frage geregelt, wie viele Knöpfe des Hemdes oder der Bluse geöffnet sein dürfen? Wenn nicht, gibt es da noch dringenden Klärungsbedarf.

Was trägt der Taxifahrer eigentlich drunter?

Um das einheitliche Bild perfekt abzurunden, sind lediglich, wie könnte es anders sein, schwarze und blaue Socken sowie dunkle, geschlossene Schuhe erlaubt. Was in der neuen Bekleidungsvorschrift leider nicht geregelt wird, ist die Frage, was ein echter Taxifahrer drunter tragen soll. Sind Boxershorts eigentlich erlaubt, und wenn ja, in welcher Farbe? Oder muss es doch zwingend der weiße Schiesser Feinripp mit Eingriff rechts sein? Ist ja auch praktischer, wenn man zwischen zwei Fuhren mal schnell in die Büsche muss. Dürfen die Damen aufreizende String-Tangas und sexy Push-up-BHs unter ihren züchtigen Röckchen tragen, oder muss es Omas fleischfarbene Miederhose sein? All diese Fragen sind nicht ausreichend geklärt. Ein grobes Versäumnis, das sich die Macher dieser Verordnung im Rathaus von Las Palmas da geleistet haben.

Es versteht sich von selbst, dass die erlaubten Kleidungsstücke natürlich in einem einwandfreien und sauberen Zustand sein müssen. Schön, dass auch eine solche Selbstverständlichkeit mal ausdrücklich geregelt wurde. Dass es immer, auch unter den Taxifahrern, Menschen geben wird, die es nicht so genau mit der Körperhygiene nehmen, ist aber nun mal ein Umstand, der sich wahrscheinlich auch durch eine strenge Reinigungsregelung nicht ändern wird. Die Begegnung mit solchen Individuen gehört nun mal zum allgemeinen Lebensrisiko, dem sich auch Taxikunden stellen müssen. Aber immerhin müffeln diese Fahrer dann in Uniform. Wenn das mal kein Fortschritt ist.

Thomas

Thomas

Durch meine Arbeit als Journalist habe ich das große Glück überall auf der Welt arbeiten zu können. Auch auf den Kanarischen Inseln habe ich einige Jahre verbracht, eine Zeit, an die ich mich immer gerne erinnere. Obwohl ich danach noch in anderen interessanten Ländern leben durfte gehören die spannenden Erfahrungen, die ich auf den Inseln gemacht habe zu den Erlebnissen, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.

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