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Auf einen Joint in den Club

Auf einen Joint in den Club

19. April 20146258Views
cannabis

Seitdem es in vielen Ländern für Raucher immer schwieriger wird, ihrem Laster in aller Öffentlichkeit oder bei einem Bier in der Kneipe zu frönen und Zigarettenqualm weitgehend verpönt ist, haben einige Wirte ihre Gasträume in Raucherclubs verwandelt. Soweit, die Glimmstängel auch im privaten Rahmen zu verbieten, gehen die Vorschriften der Oberregulierer und Verbieter dann aber doch nicht. Dass der Konsum von Tabak die Gesundheit nicht gerade fördert, ist wohl unbestritten, aber immer alles zu verbieten ist sicherlich auch nicht der richtige Weg.

Fehlende gesellschaftliche Akzeptanz

Noch stärker gesellschaftlich geächtet als die Anhänger des Tabaks sind diejenigen, die sich ab und an gerne mal einen Joint reinziehen.

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Sie bewegen sich ständig am Rande der Legalität, wenn sie sich mit dem Konsum von Cannabis die Zeit vertreiben wollen. Dabei hat die Pflanze durchaus auch positive Eigenschaften. Seit Urzeiten wird sie als Arznei eingesetzt und kann bei bestimmten Beschwerden auch als Medizin verordnet werden. Noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war Cannabis bei Schmerzpatienten ein durchaus angesagtes Mittel, das Linderung verschafft hat. Auch heute noch wird der Stoff in einzelnen Fällen medizinisch verwendet. Diesen Umstand haben sich Enrique Dorta, der auch Cannabicultor Rasta genannt wird, und seine Freunde auf Lanzarote zu Nutze gemacht und vor einiger Zeit die erste Cannapharmacia, eine Cannabisapotheke gegründet. Dabei darf man das Wort Apotheke nicht zu wörtlich nehmen. Eigentlich ist es mehr ein Club, in dem im privaten Rahmen die Mitglieder der Asociación cultural para el consumo lúdico y terapéutico (Kulturvereinigung für den angenehmen und therapeutischen Konsum) ganz legal ihre Tüte bauen und durchziehen können. Mittlerweile hat der außergewöhnliche Club mehr als 2.000 Mitglieder, wovon 300 den Stoff tatsächlich aus therapeutischen Gründen konsumieren. Auf die Idee kam der studierte Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker nach einem Prozess im Jahr 2012, als er gemeinsam mit seiner Frau eine Richterin davon überzeugen konnte, dass die 300 Marihuana-Pflanzen, die man bei ihm gefunden hatte, nicht dem Handel und der Generierung von finanziellen Vorteilen, sondern dem Konsum im privaten Rahmen dienen sollten. Damit blieben die beiden straffrei und sind auch bis heute in keiner Weise vorbestraft.

Gesetzeslücke ausgenutzt

Mit dem Urteil kam dem Paar dann aber die Idee, diese Gesetzeslücke auszunutzen. So wurde einer der ersten Vereine zum Konsum von Cannabis auf Lanzarote geründet. Heute gibt es außer dem Club und der Cannapharmacia von Enrique Dorta noch drei oder vier ähnliche Vereinigungen auf der Insel. Insgesamt etwa 20 sind es auf allen sieben Inseln der Kanaren. Die Organisationen dürfen ganz legal Marihuana anbauen und es in einem privaten Rahmen in einem nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Raum konsumieren. Mittlerweile beschäftigt der Verein auf Lanzarote 15 Mitarbeiter, zahlt Steuern und finanziert darüber hinaus mit seinen Einnahmen auch noch kulturelle Veranstaltungen. Dabei wird nicht nur Geld mit dem Naturprodukt selbst, sondern auch mit Merchandising verdient. T-Shirts, Kappen und andere Artikel, mit denen die positiven Seiten von Cannabis propagiert werden sollen, gehören ebenso zum Angebot dieses speziellen Raucherclubs.

Wie bei allen Dingen, so ist es auch beim Konsum von Marihuana die Menge, die den Unterschied macht. Ebenso wie beim Alkohol ist gegen einen gelegentlichen Konsum nur wenig einzuwenden. Wenn aber das Maß nicht mehr stimmt und daraus eine Abhängigkeit entsteht – die übrigens bei Alkohol schneller erreicht wird – ist das Problem nicht mehr zu leugnen. Da hilft dann in der Regel auch keine Medizin mehr, selbst wenn sie aus Marihuana-Pflanzen hergestellt wurde.

Thomas

Thomas

Durch meine Arbeit als Journalist habe ich das große Glück überall auf der Welt arbeiten zu können. Auch auf den Kanarischen Inseln habe ich einige Jahre verbracht, eine Zeit, an die ich mich immer gerne erinnere. Obwohl ich danach noch in anderen interessanten Ländern leben durfte gehören die spannenden Erfahrungen, die ich auf den Inseln gemacht habe zu den Erlebnissen, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.

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