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Immer mehr „Botellóns“ bringen Bürger in Rage

Immer mehr „Botellóns“ bringen Bürger in Rage

3. Juli 2013644Views
Foto von orianomada - flickr

Foto von orianomada – flickr

Sie haben viel Zeit und keine Lust zu Hause herumzusitzen und sich anstrengenden Diskussionen mit ihren Eltern zu stellen, die allerdings auch keine Alternative anzubieten haben. So treffen sie sich auf den Straßen und Plätzen mit ihren Freunden, die fast alle ähnliche Probleme haben. Schnell ist so eine ansehnliche Gruppe beisammen, in der Geld gesammelt wird, um Alkohol für einen „Botellón“ zu kaufen. Solche Feiern in der Öffentlichkeit gab es schon immer, verboten sind sie nun schon seit einigen Jahren, nachdem das Problem immer präsenter wurde. Und seitdem über 50 % der Jugendlichen im Land ohne Job oder Ausbildungsplatz sind, haben die Anzeigen von Bürgern, die sich belästigt fühlen, drastisch zugenommen.

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Laute Musik und pöbelnde Betrunkene

Denn mit dem Alkohol kommen dann auch die Probleme. Laute Musik, öffentliches Urinieren und andere unangenehme Begleiterscheinungen der durch den Alkohol herbeigeführten Enthemmung sind die Steine des Anstoßes, welche die Bewohner der betroffenen Plätze und Straßen dazu veranlassen, nach der Ordnungsmacht zu rufen. Was bei betrunkenen Touristen, die nicht selten ebenfalls für unschöne Szenen sorgen, gerade noch akzeptiert wird, weil man ja auf ihr Geld angewiesen ist, kann bei den eigenen Kindern nicht hingenommen werden.

In Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz vergeht fast kein Tag, an dem die Polizei nicht irgendwo in der Stadt einschreiten muss, weil Nachbarn und Geschäftsleute sie rufen, um dem ungesetzlichen Treiben ein Ende zu machen. Mehr als 300 Kontrollen haben die Ordnungshüter im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit den öffentlichen Besäufnissen in Santa Cruz durchgeführt. Allerdings scheint ihr Kampf, wie der des Don Quichote gegen Windmühlen, nahezu aussichtslos. Ist die Feier an einer Straßenecke aufgelöst, zieht die Gruppe weiter, und das Spiel wird an einem anderen Platz fortgesetzt. Auf dem Parkplatz des Parque Marítimo, der Plaza Weyler oder am Strand von Teresitas sind die trinkenden Halbwüchsigen längst keine Ausnahmeerscheinung mehr. Auch die Nachbarn in der Calle Afilarmónica Ni Fú Ni Fá werden immer wieder durch grölende Jugendliche in ihrer Ruhe gestört. Und die Ladenbesitzer in den Botellónzonen sind ebenfalls alles andere als glücklich über die ungebetenen Gäste vor ihren Geschäften, da sich viele Kunden durch die trinkenden Jugendlichen bedroht fühlen und sich deshalb lieber andere Möglichkeiten suchen, um ihre Einkäufe zu erledigen.

Alcosensor soll Beweise liefern

Da in der Öffentlichkeit nur der Konsum von alkoholischen, nicht aber von alkoholfreien Getränken verboten ist, behaupten die jungen Trinker, wenn sie von der Polizei angesprochen werden meistens, dass sie lediglich harmlose Softdrinks konsumieren würden. Um diese Behauptung zu entkräften, sind die Beamten jetzt mit einem Alcosensor ausgerüstet worden, der in das Getränk eingetaucht wird, um den Alkoholgehalt einer Flüssigkeit zu überprüfen. Wenn sie dann feststellen, dass es sich bei dem fraglichen Getränk keineswegs um Wasser oder Limonade handelt, dient der Ausdruck des Gerätes als Grundlage für den unweigerlich folgenden Strafzettel. 200 Euro Bußgeld machen die kleine Party dann zu einer recht kostspieligen Angelegenheit. Wie viele dieser Tickets am Ende tatsächlich auch bezahlt werden, ist allerdings fraglich.

In Santa Cruz hat es im ersten Halbjahr 2013 bereits 171 Anzeigen von Bürgern gegeben, die sich durch die Besäufnisse auf offener Straße belästigt fühlten. In 90 Fällen konnten die Polizisten nicht anders als durch die Ausstellung eines Strafzettels die Jugendlichen davon zu überzeugen, ihre Party zu beenden.

Gelöst ist das Problem dadurch aber noch lange nicht. Ohne Arbeit und Perspektive oder Orte, an denen sie sich ungestört versammeln können, wird das Thema auch in Zukunft immer wieder den Konflikt zwischen den Generationen schüren. Dass mittlerweile dabei schon von einer verlorenen Generation gesprochen wird, ist auch nicht wirklich hilfreich. Wenn man die Jugendlichen jetzt aufgibt, werden die Botellóns bald nur noch ein recht unbedeutendes Detail eines viel größeren Problems sein.

Thomas

Thomas

Durch meine Arbeit als Journalist habe ich das große Glück überall auf der Welt arbeiten zu können. Auch auf den Kanarischen Inseln habe ich einige Jahre verbracht, eine Zeit, an die ich mich immer gerne erinnere. Obwohl ich danach noch in anderen interessanten Ländern leben durfte gehören die spannenden Erfahrungen, die ich auf den Inseln gemacht habe zu den Erlebnissen, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.

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