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La Gomera – Schluchten, Gipfel und ein einsamer Strand

La Gomera – Schluchten, Gipfel und ein einsamer Strand

31. Januar 20143025Views

Heute wollen wir auf der kleinen kanarischen Insel La Gomera eine Tour angehen, die von uns ein wenig Kondition abfordern wird. Einen ganzen Tag lang wandern wir über kleine Wanderwege von der Höhe auf der Degollada de Peraza durch Schluchten, über Felsgipfel bis an das Meer und wieder zurück. Bei dieser spektakulären Rundtour gibt es nicht nur ein Highlight.

Ständig wechseln mit den Höhenmetern auch die Landschaft, die Natur um uns herum und die Ausblicke über Schluchten, Berge und den Atlantik. Für diese lange anspruchsvolle Tour, die uns im ersten Abschnitt von dem Mirador der Degollada de Peraza aus 950 Höhenmetern an das Meer führen wird, sollten wir gut ausgeruht sein, denn sie wird uns einige Kräfte abverlangen.

Doch die Anstrengung lohnt sich. Wir passieren den markanten Felsen Roque del Sombrero, wandern auf einsamen Kammhöhen entlang, durchqueren abgeschiedene Schluchten und gelangen an die  entlegene Playa del Cabrito, die normalerweise nur mit einem Boot von San Sebastian aus zu erreichen ist.

Von der Degollada de Peraza durch den Barranco de los Tableros

Tourstart - Degollada de Peraza
Tourstart – Degollada de Peraza

Ausgangspunkt unserer Tour ist der Mirador der Degollada de Peraza zwischen Kilometer 15 und 16 an der GM-2. Hier in einer Höhe von 950 Metern starten die unterschiedlichsten Wandertouren. Hinweise für die einzelnen Touren mit Streckenführung finden wir bereits auf einer großen Tafel am Mirador. Wir gehen vom Mirador aus die GM-2 ein Stück hinunter. Auf der rechten Seite lassen wir das Restaurant Peraza hinter uns. Nach 5 Minuten geht auf der linken Seite der rot und weiß ausgeschilderte Wanderweg mit der alten Auszeichnung GR-131 auf einem Fahrweg von der Straße ab. Auf den neueren Karten trägt dieser Weg die Bezeichnung Nr. 1 und verläuft als großer Wanderweg quer über die Insel La Gomera. Diesem Weg folgen wir unterhalb eines Gipfels mit einem großen Antennenmast parallel zur Hauptstraße. Nach kurzer Zeit geht der Fahrweg in einen alten gepflasterten Camino über.

Blick auf die Bergkämme, auf denen uns die Rundtour entlang führen wird
Blick auf die Bergkämme, auf denen uns die Rundtour entlang führen wird

Dieser holprige Pflasterweg führt uns langsam weiter den Berg hinab. Es geht an Steinmauern, Büschen und nach kurzer Zeit auch an einem alten Steinhaus vorbei. Nach einer halben Stunde Wanderzeit erreichen wir nach einem kurzen Anstieg eine Kammhöhe, die uns weiter leicht ansteigend zum Pico Gomero hinaufführt. Von hier haben wir eine gute Aussicht in den links von uns liegenden Barranco de la Villa und zugleich auf die rechts vor uns liegenden Höhenzüge Richtung Meer mit dem Roque del Sombrero. Diesen markanten Felsen werden wir später noch aus der Nähe betrachten.

Wir steigen auf dem Weg weiter leicht bergan, kommen an einem weiteren Steinhaus vorbei und gelangen auf eine Hochfläche. Bald verläuft der Wanderweg neben einer Straße. Wenn Straße und Wanderweg zusammenlaufen, stoßen wir auf eine Querstraße. Nun verlassen wir den Wanderweg Nr.1/GR-131, der weiter geradeaus über das Dorf Ayamosna, das wir oben vor uns am Berg liegen sehen, nach San Sebastian führt. Wir gehen rechts die Straße hinunter bis wir in dem Weiler Casa Caída auf die Hauptstraße GM-2 treffen. Diese überqueren wir und steigen unmittelbar auf der anderen Straßenseite in einen Barranco (Barranco de los Tableros) hinab.

Ruinen von El Magro
Ruinen von El Magro

Nach einem zehnminütigen Abstieg auf kleinen Serpentinen erreichen wir eine Hochfläche, an der sich der Weg gabelt. Wir halten uns rechts und gehen dann in einem weiten Bogen am Barrancorand langsam hinunter in das Bachbett des Barrancos. Wir durchqueren den steinigen Barrancogrund. Auf der anderen Seite setzt sich der Weg nach links am Barrancorand fort. Nun geht es einige Zeit bergauf zum Roque de Magro und den verlassenen Häusern von El Magro. Hier bei den Ruinen haben wir eine fantastische Aussicht in die auf beiden Seiten liegenden Barrancos und den vor uns liegenden Felsen Roque del Sombrero, der tatsächlich wie ein großer Felsenhut in der Landschaft liegt.

Über atemraubende Kammwege vorbei an mächtigen Felsgruppen in den Barranco Juan de Vera

Wir lassen die Ruinen von El Magro auf der rechten Seite liegen und wandern links auf dem Weg auf der Kammhöhe in Richtung des Roque del Sombrero weiter. Ein kleiner Pfad, der teilweise ein wenig abgerutscht und sehr geröllig zwischen Kakteen hindurch führt, leitet uns auf der rechten Seite des Roque del Sombrero abwärts führend vorbei. Hinter dem mächtigen Felsen wandern wir auf dem Bergkamm weiter. Es geht stetig leicht bergab. Dabei genießen wir wunderschöne Ausblicke in alle Richtungen. Ab und zu verläuft der Weg durch kleine grüne Hochebenen, die hier zwischen den steil abfallenden Kammwegen zu finden sind. Dann geht der Pfad wieder sehr schmal auf dem Kamm oder am Abgrund entlang.

Roque del Sombrero
Roque del Sombrero

So gelangen wir zur nächsten Felsengruppe. Auch diesen gewaltigen Felsen umgehen wir rechts. Ein kleiner Weg verläuft vom Kamm in kleinen Serpentinen hinab zum Fuß des Felsens. Dann geht es weiter an einer Felswand entlang. Rechts neben uns geht es steil hinunter. Vorsicht ist geboten. Wieder auf dem Kamm zurückgekehrt, passieren wir ein altes Steinhaus und nähern uns über dem Kammweg einer weiteren Felsgruppe in Höhe von 450 Metern. Während der Roque del Sombrero nun schon weit oben hinten uns liegt, umgehen wir den ersten Felsen des Roque Garcia nach links. Dann geht es weiter auf dem Sattel und  kurz danach an der rechten Felswand auf einem kleinen Weg entlang. Rechts schauen wir nun steil hinunter in den Barranco Juan de Vera. Auf diesen schmalen Wegen am Fels entlang ist absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit gefragt.

an Abhängen und an Felswänden entlang
an Abhängen und an Felswänden entlang
hinunter in den Barranco Juan de Vera
hinunter in den Barranco Juan de Vera

An einer Aussichtsplattform biegen wir links um den Felsen herum und erreichen auf dem Kamm einen Felsen, der wie eine Hand aussieht. Nachdem wir auch diesen Felsen passiert haben, geht es noch eine kurze Zeit weiter geradeaus auf dem Bergkamm entlang. Doch dann müssen wir den Abstieg in den Barranco Juan de Vera finden. Er liegt auf der rechten Seite des Kamms und ist an einigen Stellen abgerutscht. Nun geht es – insbesondere am Anfang des Weges – sehr steil auf einem gerölligen Pfad in den Barranco hinunter. Doch wenn die ersten schwer zu erkennenden Windungen des Weges erst einmal gefunden und begangen sind, geht es zwar mühselig, doch nicht mehr zu verfehlen, weiter bergab. Nach 30 Minuten haben wir den Abstieg geschafft und queren das weite Barrancobett des Barrancos Juan de Vera, um auf die rechte Talseite zu gelangen.

Playa del Cabrito lädt zum Baden ein

Playa del Cabrito mit Blick auf den Teide
Playa del Cabrito mit Blick auf den Teide

Hier führt uns ein gut gekennzeichneter Weg an der rechten Felsseite entlang Richtung Strand an der Playa del Cabrito. Nach ungefähr 20 Minuten erreichen wir das Gebiet, das zu dem an der Playa del Cabrito liegendem Hotel gehört. Verbotsschilder, die das Betreten des Geländes untersagen, leiten uns an der linken Außenmauer um die Hotelanlage herum. Das letzte Stück Weges bis zum Strand verläuft rechts der Mauer. Vom ersten Steinstrand auf der linken Seite der Playa bis zum Sandstrand auf der rechten Seite der Playa verläuft zwischen Stränden und Hotelanlage ein breiter Fahrweg, dem wir folgen.

Wer möchte kann nun ein Bad nehmen oder eine Rast am Strand einplanen. Wer nicht genügend Wasser dabei hat, der kann seine Wasservorräte an der Hotelrezeption, an der es freies Wasser gibt, auffrischen. Die Playa del Cabrito, von der wir einen wunderschönen Blick auf Teneriffa und den Teide haben, ist ein idealer Ort für eine kurze oder auch für eine längere Rast.

Hinter dem Hotel läuft der Wanderweg, der teilweise noch die alte Bezeichnung GR-132 Richtung San Sebastian trägt, auf einem Camino hinter dem Garten der Hotelanlage steil am Hang empor. Die neue Auszeichnung für den Weg ist die Nr. 28. Doch auch Weg Nr. 27 läuft zunächst parallel zu unserer Wanderstrecke. Am Anfang ist der Weg mit großen Feldsteinen gepflastert und teilweise gestuft. Danach geht es wechselnd auf Steinen, Sand und gerölligen Stufen weiter steil am Barrancorand empor. In kürzester Zeit bleiben Strand und Hotel klein wie Spielzeug unter uns zurück.

Blick auf Playa del Cabrito
Blick auf Playa del Cabrito

Nach einer halben Stunde anstrengendem Aufstiegs erreichen wir die Kammhöhe, der wir weiter folgen. Von hier aus ist der Weg gut ausgezeichnet und nicht mehr zu verfehlen. Es geht immer in der Nähe der Kammhöhe weiter.

Ab und zu kreuzt ein Wanderweg, der aus den Barrancos zur linken oder rechten auf den Kamm führt, unseren weiß und gelb (alt) und grün Nr. 28 (neu) gekennzeichneten Weg. Doch wir halten uns geradeaus und steigen weiter durch terrassierte weite Hänge bergan. Wir haben schöne Fernblicke auf die Gebiete um die Playa de Santiago und erkennen in der Ferne den am Meer liegenden Flughafen.

Zurück über einsame Hochebenen mit verlassenen Dörfern

Nr. 25 und Nr. 28 führen uns zurück
Nr. 25 und Nr. 28 führen uns zurück

Dann gelangen wir in das verlassene Dorf Morales, das wir durchwandern. Der GR-132 zweigt nun mit der neuen Ausschilderung Nr. 27 Richtung Playa de Santiago ab. Wir gehen jedoch weiter geradeaus auf dem weiß gelb markierten Wanderweg mit der Auszeichnung 18.1 (alt) und grün Nr. 28 (neu). Noch eine weitere halbe Stunde führt uns der Weg durch große Terrassenfelder, sehr weite einsame öde Hochflächen und vorbei an verlassenen Häusern. Doch dann kommen wir auf ein grünes und mit Palmen bestandenes Hochtal. Nun ändert sich die Landschaft schlagartig.

Wir passieren die teilweise in den Fels gebauten Ruinen von Tacaluse. Hier kommt der Wanderweg grün Nr. 25 aus Playa de Santiago hoch und vereinigt sich mit unserem Weg Nr. 28.

Auf grünen Wegen dicht am Fels und am Barrancorand entlang führt uns der Pfad nun in stetem auf und ab Richtung Straße. Wunderschöne Ausblicke begleiten uns auf diesem recht anstrengendem Teilstück unserer Tour. Und noch einmal kommen wir auf einem kleinen Bergsattel an Häusern vorbei.

die verlassenen Häuser von Morales
die verlassenen Häuser von Morales

Die Häuser von Berruga liegen inmitten von saftigen grünen Wiesen und umgeben von Palmen geschützt durch Felsenwände auf einer kleinen Hochebene. Nun befinden wir uns bereits wieder 800 Meter über dem Meeresspiegel und nähern uns langsam dem Ende unserer Tour.

Wir gehen auf unserem Weg rechts an den Häusern vorbei und erreichen nach wenigen Minuten einen Fahrweg, der uns in kürzester Zeit auf die Autostraße GM-2 führt. Der folgen wir nach rechts bergauf und kommen nach ca. 20 Minuten wieder an unserem Ausgangspunkt, der Degollada de Peraza an.

Informationen:

Höhenunterschied: ungefähr 950 Meter von der Degollada de Peraza bis zum Strand Playa del Cabrito. Doch durch Ab- und Aufstiege sind auf der gesamten Tour insgesamt mehr als 1250 Höhenmeter auf und ab zu bewältigen.

schmale Pfade führen an den Ruinen von Tacalcuse vorbei
schmale Pfade führen an den Ruinen von Tacalcuse vorbei

Anforderung: Grundsätzlich handelt es sich um eine mit ihren 20 Kilometern sehr lange und durch die vielen Höhenmeter auch anstrengende Wanderung. Es geht zumeist auf gut ausgezeichneten Wanderwegen. Allerdings führt der Wanderweg häufig auch auf schmalen Wegen nahe am Abgrund oder auf einem Gebirgskamm entlang. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollten neben einer sehr guten Kondition ausreichend vorhanden sein. Auch sollte die Wanderung auf keinen Fall bei schlechtem Wetter, wie bei Sturm, Regen und Nässe angetreten werden.

Startpunkt: Am Mirador Degollada de Peraza oder an dem nahe an der Degollada gelegenem Restaurant. Anfahrt mit dem Pkw über die GM-2. Der Mirador befindet sich ziemlich genau zwischen Kilometer 15 und 16. Wer mit dem Bus anreist, kann die Linien 1, 3  und 7 benutzen, die am Mirador halten.

Zeit: reine Wanderzeit mindestens 7 Stunden

Hinweise: Diese Tour ist wirklich als sehr anspruchsvoll zu bezeichnen und sollte nur bei gutem Wetter und ausreichend vorhandener Kondition begangen werden. Bei gut einer Stunde Rast und kleinen Pausen, dauert sie mindestens 8 Stunden und 30 Minuten, so dass ein rechtzeitiger Antritt der Tour gut zu planen ist, um nicht in die Dunkelheit zu geraten. Wer nur den Weg bis zum Strand gehen möchte, kann von El Cabrito mit dem Boot zurück nach San Sebastian fahren. Über die Abfahrtzeiten gibt die Rezeption des Hotels in El Cabrito Auskunft (vorher bitte erkundigen, da das Boot anscheinend nicht täglich und Wetter abhängig verkehrt).

Leonie

Leonie

Ich habe alle kanarischen Inseln bereist und lebe seit einigen Jahren auf Teneriffa. Auf meinen Wandertouren über die Inseln begleitet uns mein Labrador, der - wie wir - immer wieder neue Wege auskundschaftet.

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