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Montana de los Brezos – beliebter Wanderweg im Süden der Insel

Montana de los Brezos – beliebter Wanderweg im Süden der Insel

24. September 20132328Views1Comment
Blick auf den Conde

Obgleich das El Dorado der Wanderer sich eher im Norden und auf der Inselmitte von Teneriffa befindet, möchte ich heute gerne eine Wanderroute vorstellen, die etwas abseits dieser gängigen Touren liegt. Die Wanderung in das Montana de los Brezos lässt sich nicht nur vom Norden der Insel, sondern auch sehr gut vom südlichen Teil des Eilandes aus bewerkstelligen. Im kargen Süden tummeln sich zumeist die sonnenhungrigen Touristen, von denen einige – zumindest laut Statistik –  nicht einmal sehr gerne ihr Hotel während des Urlaubs verlassen mögen. Und wenn es dann doch ein Ausflug sein soll, geht es zumeist auf eine gebuchte Inselrundfahrt oder zum Einkaufen.

Doch auch wer im Urlaub gerne die wohlverdiente Ruhe und Sonne genießen möchte, hat mit dieser Tour ohne viel Zeitaufwand die Möglichkeit, nicht weit vor der Hoteltür eine kleine Bergwanderung in wunderschöner Natur zu unternehmen. Um aus den Urlaubsdomizilen im Süden nicht weit anreisen zu müssen, bietet sich eine Tour von Playa de Las Américas, Los Christianos oder den anderen Küstenorten in das nahe Montana de los Brezos geradezu an.

Ausgangsort für die Wanderung ist der Ort Arona (630m) mit seinen 75.000 Einwohnern. In Arona befindet sich der Sitz der Bezirksverwaltung für die südlichen Touristenorte. Der Ort ist im alten Ortskern rundum neu saniert und bietet durch seine Hanglage von seinen Straßen und Plätzen herrliche Ausblicke auf den Atlantik, die südlichen Küstenorte und die imposante Landschaft, in die wir hinein wandern wollen.

Roque de los Brezos
Roque de los Brezos

Unsere heutige Rundwanderung startet im oberen Ortszentrum auf dem Kirchplatz von Arona. Von dort können wir in das Montana de los Brezos und zu den beiden Gipfeln Roque Brezos und  Roque Imoque wandern. Bereits in der Mitte des Kirchplatzes findet der interessierte Wanderer Schilder mit ausführlichen Beschreibungen der den Ort umgebenden Wanderrouten. Von dort gehen wir Richtung Norden ein wenig bergauf kommen nach ca. 200 Metern an die Hauptstraße nach Vilaflor. Wir wandern an der Straße Richtung Vilaflor weiter leicht bergauf und erreichen nach ungefähr einem Kilometer das Restaurant „La Granja de Arona“, bei dem wir nach links auf den Wanderweg abbiegen.

Rundweg zu den Gipfeln des Südens

Nach kurzer Zeit zweigt der Camino del Topo rechts ab, während wir den Camino Suárez weiter geradeaus folgen. Auf der linken Seite gehen wir an der Ruine (Casa El Ancón) vorbei und danach unmittelbar hinunter in den Barranco del Rey. Wenn wir den Barrancogrund erreicht haben, geht es sofort nach einigen Metern auf der rechten Seite des Barranco wieder steil in kurzen Serpentinen bergauf. Oben am Barrancorand halten wir uns links und dann eine Weile geradeaus weiter am Hang entlang. Am Ende des Pfades stoßen wir auf einen weiß-rot gekennzeichneten Wanderweg. Dem Weg folgen wir nach rechts bergauf und erreichen nach einiger Zeit in Höhe von 758 Metern die Degollada de los Frailitos.

Blick auf den Conde
Blick auf den Conde

An diesem wunderschönen Aussichtspunkt stehen wir auf einer Art Sattel, an dem es zu unserer linken Seite auf den Conde zu gehen scheint. Tatsächlich ist dies aber nicht der offizielle Wanderweg auf den Conde. Der verläuft auf der anderen Seite des Berges. Doch wir stehen neben der gewaltigen Erhebung des Condes und genießen einen herrlichen Ausblick zurück auf Arona und sehen zugleich bei gutem Wetter vor uns die gesamte Südküste mit den wie Spielzeughäusern wirkenden Städtchen.

Dreschplatz mit Blick auf die Felsen vor dem Roque de los Brezos
Dreschplatz mit Blick auf die Felsen vor dem Roque de los Brezos

Wir halten uns nun rechts und steigen über den Bergrücken steil bergauf. Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir einen alten Dreschplatz. Dort können wir bei einer Rast auch einen Blick auf die Casa Suárez werfen, die dem Wanderweg seinem Namen gibt. Hier auf 811 Metern Höhe genießen wir den Blick auf die terrassierten Felder, die sich vor uns ausbreiten. Doch wir müssen noch ein Stück weiter bergan. Eine weitere halbe Stunde später gelangen wir wieder auf einen Sattel mit einem Dreschplatz. Nun befinden wir uns genau zwischen dem Roque de los Brezos und dem Roque Imoque. Wer mag, bleibt einfach hier auf diesem wunderschönen Aussichtsplatz sitzen und genießt den Ausblick in alle Richtungen.

Weg vom Roque Imoque zum Sattel mit Blick auf den Roque de los Brezos
Blick von der Degollada de los Frailitos auf den „Rücken“ des Conde

An schönen Tagen wird er hier gewiss nicht lange allein bleiben. Denn zu diesem Rastplatz und Aussichtspunkt kommen Wanderer aus allen Richtungen, um von hier die nahen Gipfel zu stürmen oder auch nur die Aussicht zu genießen.

Roque Imoque und Roque de los Brezos

Wer die Gipfel der Berge bevorzugt, hat von dieser Stelle die Möglichkeit in beide Richtungen eine Bergspitze zu erklimmen. In 20 Minuten ist der Wanderer sowohl auf dem Gipfel des Roque Imoque als auch auf den Roque de los Brezos. Als Zugabe wartet noch ein südlich vor dem Roque de los Brezos vorgelagerter kleiner Gipfel.

terrassierte Felder im Montana de los Brezos
terrassierte Felder im Montana de los Brezos

Der Roque Imoque (1107m) ist gerade im letzten Abschnitt am Gipfelblock ausschließlich für schwindelfreie Wanderer geeignet. Durch eine Art kleinen Kamin ist der Aufstieg nur mit ein wenig Kletterei möglich. Für meinen größeren Hund war vor diesem Gipfelblock jedenfalls Schluss. So dachte ich zumindest. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich über einen Abgrund einen doch einige Meter hohen Kamin klettern sollte und dabei noch irgendwie meinen Hund hinter mir herziehen sollte. So blieb ich mit Hund an dieser Stelle einige Meter vor dem Gipfel zurück, während meine Begleiter den Gipfel des Roque Imoque stürmten und eine fantastische Aussicht auf den Inselsüden aus der luftigen Höhe genossen.

Roque Imoque vom Roque de los Brezos aus gesehen
Roque Imoque vom Roque de los Brezos aus gesehen

Während ich sitzend wartete, staunte ich nicht schlecht, als auf einmal ein junger Spanier den Kamin herunter geklettert kam. Dass ein junger Spanier diesen Kamin locker bewältigte, war noch nicht das Besondere. Doch wirklich verblüffend war für mich, dass er

über sich ein ca. 3-4 Jahre altes Kind ein wenig stützte, das ansonsten ganz allein und vorsichtig Schritt für Schritt den Kamin herunter kletterte. Als der Spanier nach drei Minuten vor mir stand, zog er plötzlich seinen kleinen Hund unter der Jacke hervor. Der junge Vater hatte diesen Kamin also mit Kind und Hund überwunden. Werden so künftige Bergsteiger geboren? Staunend beobachtete ich, wie der junge Vater mit dem kleinen Kind ganz langsam und ruhig Schritt für Schritt zum Sattel hinunterging. „Schade, dass ich meinen Labrador nicht in meine Jacke stecken kann“, dachte ich bei mir.

Blick vom Roque Imoque auf den Roque de los Brezos
Blick vom Roque Imoque auf den Roque de los Brezos

Einfacher und auch mit Hund machbar ist hingegen der Aufstieg auf den Roque de los Brezos (1108m). Der kleine Pfad, der steil vom Sattel auf den Gipfel hinaufführt, ist deutlich und unübersehbar mit Steinmännchen gekennzeichnet. Und auch vom Gipfelplateau des Roque de los Brezos genießen wir bei klarer Sicht einen wunderbaren Panoramablick. Der wird wahrscheinlich nur noch durch den Blick getoppt, den die Paraglider, die lautlos über uns hinweg schweben, in ihrer luftigen Höhe haben. Wer danach noch immer nicht genug hat, kann von hier mit ein wenig Kraxelei weiter auf den südlich vorgelagerten Gipfel des Roque de los Brezos wandern.

Rückweg am Barranco del Rey

Wenn wir die Landschaft ausgiebig bewundert und alle gewünschten Gipfel erklommen haben, gehen wir auf der anderen Seite des Sattels herunter. Wir wandern durch ein kleines Lavabett und passieren eine weitere Ruine. Der deutlich markierte Weg führt uns nun wieder hinab in den Barranco del Rey. Dieses Mal jedoch an einer höheren Stelle, an der der Barranco weitaus weiter als an der Stelle ist, die wir zu Beginn der Wanderung durchquert haben. Nachdem wir durch den Barrancogrund hindurch gegangen sind, steigen wir auf der anderen Seite wieder hoch und gelangen auf einen breiten Fahrweg.

Barranco del Rey
Barranco del Rey

Auf dem Fahrweg halten wir uns rechts und folgen immer weiter auf der linken Seite des Barrancos dem Wanderweg. Nachdem wir das idyllisch am Hang gelegene Restaurant „El Refugio“ passiert haben, geht es auf dem Camino del Topo weiter. Der Camino del Topo ist ein schmaler und recht ausgewaschener Weg, auf dem wir nun bergab in Richtung Arona gehen. Häufig queren Wasserrohre und Wasserkanäle unseren Wanderweg, der weiterhin an der linken Barrancoseite entlang läuft. Nach 20 Minuten gelangen wir noch einmal an eine Ruine und sehen jetzt schon recht nah, Arona unmittelbar vor uns liegen. Nach einer weiteren halben Stunde treffen wir wieder auf die Wegkreuzung mit dem Camino Suárez. Unsere Rundwanderung ist an dieser Stelle beendet. Links herum kehren wir in ca. 20 Minuten nach Arona zurück. Und wer Lust hast, kann das nächste Mal diese landschaftlich wirklich beeindruckende Rundtour auch in der anderen Richtung machen. Denn andere Standpunkte bieten bekannter Weise auch immer wieder neue Ein- und Aussichten.

Einkehrmöglichkeit auf dem Rückweg im El Refugio
Einkehrmöglichkeit auf dem Rückweg im El Refugio

Informationen:

Höhenunterschied: ca. 480 Höhenmeter von Arona (630m) bis zum Roque de los Brezos (1108m) oder Roque Imoque (1107m)

Anforderung: einfach: Der Weg ist gut gekennzeichnet. Wer hingegen auf den Roque Imoque oder den vorgelagerten Südgipfel des Roque de los Brezos möchte,  der benötigt unbedingte Schwindelfreiheit und ein wenig Klettergeschick. Der überwiegende Teil der Wanderung ist hingegen auf gut gekennzeichneten Wanderwegen und ohne ausgesetzte Stellen, dafür jedoch mit vielen An- und Abstiegen, für Jedermann gut zu bewältigen.

Startpunkt: Kirchplatz Arona (630m)

Zeit: reine Wanderzeit für  den Rundweg mit Besteigung des Roque de los Brezos ca. 4 Stunden. Für den Aufstieg auf den Roque Imoque wird eine weitere halbe Stunde benötigt.
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Leonie

Leonie

Ich habe alle kanarischen Inseln bereist und lebe seit einigen Jahren auf Teneriffa. Auf meinen Wandertouren über die Inseln begleitet uns mein Labrador, der - wie wir - immer wieder neue Wege auskundschaftet.

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