close
Nun sind sie weg…

Nun sind sie weg…

20. April 2014830Views
Flugzeug

… die Camerons, und man möchte fast sagen: endlich. Seit gestern vor einer Woche der britische Premierminister, seine Frau, seine drei Kinder und zwei Bodyguards mit dem Billigflieger Ryanair auf Lanzarote gelandet sind, ist kein Tag vergangen, an dem in den lokalen Medien nicht über den Aufenthalt des Regierungschefs und seiner Familie berichtet wurde. Die Camerons beim Einkauf im Hiperdino, David mit Surfboard am Strand, die Familie beim Abendessen in einem kleinen Restaurant. Dass der morgendliche Toilettengang nicht auch noch akribisch dokumentiert wurde, ist wohl der zeitweiligen Unaufmerksamkeit der Hofberichterstatter geschuldet.

Privater Aufenthalt mit Pressebegleitung

Rund um das Landhotel Tomarén in La Islote müssen ganze Armeen von Paparazzi stationiert gewesen sein, um die Familie in jeder erdenklichen Situation abzulichten. Obwohl immer wieder der streng private Charakter des Besuchs betont worden war und der Premier sämtliche offiziellen Einladungen von öffentlichen Stellen abgelehnt hatte, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die privaten Momente im Leben der Camerons vielleicht in Wirklichkeit doch nicht ganz so privat bleiben sollten. Britische Medien gehen davon aus, dass hier vor den anstehenden Wahlen ein David Cameron gezeigt werden sollte, der einer aus dem Volk ist und so lebt, wie Millionen seiner Landsleute das auch tun. Er nimmt den Low-Cost-Carrier, um in den Urlaub zu fliegen, steigt in einem recht guten, aber nicht übertrieben luxuriösen Hotel ab und zahlt – welch Wunder – im Supermarkt sogar mit seiner eigenen Kreditkarte. Man darf froh sein, dass die Kassiererin ihre bewegenden Erlebnisse mit den prominenten Kunden hinterher nicht exklusiv an irgendeines der berüchtigten britischen Boulevardblätter verkauft hat. Alles in allem die perfekte Inszenierung eines ganz normalen Familienurlaubs. Und die Medien liefern dazu gratis die passenden Bilder und Kommentare.

Am Ende nur Gewinner

Doch nun ist es vorbei. Die Camerons sind wieder abgereist und mit ihnen wohl auch die zahlreichen Pressevertreter, die ihnen auf Schritt und Tritt gefolgt sind. Jetzt kann Bilanz gezogen werden.

[adrotate block=“4″]

Und die sieht insgesamt betrachtet gar nicht so schlecht aus. Scheinbar ist eine echte dreifache Win-Win-Win-Situation eingetreten. Auf der einen Seite konnte sich der Politiker als ganz normaler Bürger mit seinen ach so alltäglichen Seiten präsentieren, auf der anderen Seite wurde die Leserschaft, nicht nur der Yellowpress, mit Fotos vom Regierungschef in Badehose und anrührenden Geschichten zufriedengestellt. Als weiteren Gewinner des hochherrschaftlichen Urlaubsvergnügens betrachten sich aber auch die Touristikmanager von Lanzarote. Sie haben die Werbewirkung des Aufenthalts sogar genau berechnet. Mit der Berichterstattung über die Insel haben sie sich angeblich Werbekosten in Höhe von etwa 600.000 Euro gespart. Eine anständige Summe, die sich sehen lassen kann. Und da sich die Familie Cameron sehr positiv über ihre Ferien auf Lanzarote geäußert und versichert hat, dass sie garantiert nicht das letzte Mal auf der Insel war, hofft die Branche, dass mit dem Politiker auch viele seiner Landsleute auf die Kanaren kommen werden.

Eine nicht ganz unberechtigte Vorstellung. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sollen sich die Besucherzahlen am Wolfgangsee spürbar gesteigert haben, als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl dort alljährlich seinen Urlaub verbracht hat und sich vor idyllischer Alpenkulisse in schönster Spießigkeit ablichten ließ. Allerdings war er auch 16 Jahre, die gefühlt etwa 100 entsprochen haben, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und hatte dementsprechend viel Zeit, seine bevorzugte Urlaubsregion zu promoten. Ob David Cameron eine derart lange Regierungszeit beschieden sein wird, darf jedoch lebhaft bezweifelt werden.

 

Thomas

Thomas

Durch meine Arbeit als Journalist habe ich das große Glück überall auf der Welt arbeiten zu können. Auch auf den Kanarischen Inseln habe ich einige Jahre verbracht, eine Zeit, an die ich mich immer gerne erinnere. Obwohl ich danach noch in anderen interessanten Ländern leben durfte gehören die spannenden Erfahrungen, die ich auf den Inseln gemacht habe zu den Erlebnissen, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.

Leave a Response