close
San Juan lässt den Himmel über den Kanaren brennen

San Juan lässt den Himmel über den Kanaren brennen

21. Juni 2013781Views
La Iglesia de Santiago in Galdar auf Gran Canaria

Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit. Der Himmel über den Kanarischen Inseln wird in der Nacht von 23. auf den 24. Juni von tausenden kleinen und größeren Feuern erleuchtet sein, die nicht nur den Geburtstag von Johannes dem Täufer verkünden, sondern auch den Beginn des Sommers. Für die christlichen Missionare war es schon immer recht praktisch, wenn sich religiöse Feiertage mit heidnischen Bräuchen vermischen ließen. Das Datum der Geburt von Johannes dem Täufer, das sich anhand der Angaben im Lukasevangelium errechnen lässt, fällt zufälligerweise fast auf den gleichen Tag, an dem in heidnischen Kulturen die Sommersonnenwende gefeiert wurde. Eine prima Gelegenheit, den neuen Glauben an einem altbekannten Feiertag den zu Bekehrenden näherzubringen.

[adrotate block=“4″]

Feiern mit langer Tradition

In Spanien und eben auch auf den Kanaren wurde in der Noche de San Juan immer schon recht ausgiebig gefeiert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur die Form, in der dies geschieht, hat sich im Laufe der Jahrhunderte doch sehr geändert. Während der Brauch des Anzündens von Johannisfeuern in Deutschland nur noch vereinzelt anzutreffen ist, hat auf den Kanaren auch jedes noch so kleine Dorf seine ganz spezielle Fiesta de San Juan. Die Menschen kommen nach Einbruch der Dunkelheit zusammen, entzünden ein Feuer, das nach dem Volksglauben die bösen Geister vertreiben soll, und feiern die ganze Nacht den kommenden Sommer. Aber längst ist aus dem kirchlichen Fest auch ein weltliches Event geworden, das gerade in den größeren Städten tausende von feierwütigen Partygängern anzieht. Aus den kleinen aufgeschichteten Holzstößen, die nur eine begrenzte Leuchtkraft hatten, sind echte Kunstwerke am Himmel geworden. Professionelle Feuerwerker wetteifern um die Gunst der Feiernden, die bei wahrhaft spektakulären Shows die meist laue Sommernacht genießen.

Organisation ist gefragt

Die Veranstalter dieser Spektakel stellt die große Zahl derer, die Feuerwerke, Musik und alles darum herum erleben wollen, oftmals vor komplizierte organisatorische Probleme. Allein am Strand von Las Canteras in Las Palmas auf Gran Canaria werden am kommenden Sonntag 370 Ordnungskräfte im Einsatz sein, um dafür zu sorgen, dass die Feier nicht im Chaos endet. Zur Vermeidung eines Verkehrskollapses werden im öffentlichen Nahverkehr zusätzliche Busse eingesetzt, die im 10–Minuten-Takt die Menschen an den beliebten Strand bringen werden, wo sie nicht nur ein phantastisches Feuerwerk erwartet, sondern auch ein interessantes Festprogramm, das um 21 Uhr mit Musik und Tanz beginnt. In Las Palmas wird nämlich nicht nur der Geburtstag des heiligen Johannes und der Beginn des Sommers gefeiert, sondern auch der 535. Jahrestag der Stadtgründung.

Zufahrt zu Las Teresitas wird gesperrt

Auch in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz stellt man sich auf einen regen Autoverkehr ein. Es wurde bereits angekündigt, die Zufahrten zum Las Teresitas Strand zu sperren, sobald die Einsatzkräfte feststellen, dass die begrenzt vorhandenen Parkplätze belegt sind. Die  Polizei bittet darum, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, um ein größeres Chaos zu vermeiden. Auch im Hinblick darauf, dass bei den Feiern natürlich Alkohol konsumiert wird, empfiehlt es sich, das Auto stehen zu lassen, um nicht als Folge einer durchzechten Nacht zum Dauerfußgänger zu werden, weil die Polizei den Führerschein einkassiert hat.

Doch nicht nur in den Provinzhauptstädten wird gefeiert. Auch auf den kleineren Inseln, in den Dörfern von La Palma, La Gomera, El Hierro oder Lanzarote und Fuerteventura wird der Himmel über den Kanaren erhellt sein von hunderten kleiner Feuer, die Geister vertreiben, den Beginn des Sommers verkünden und Einheimische und Gäste jedes Jahr aufs Neue magisch anziehen.

Thomas

Thomas

Durch meine Arbeit als Journalist habe ich das große Glück überall auf der Welt arbeiten zu können. Auch auf den Kanarischen Inseln habe ich einige Jahre verbracht, eine Zeit, an die ich mich immer gerne erinnere. Obwohl ich danach noch in anderen interessanten Ländern leben durfte gehören die spannenden Erfahrungen, die ich auf den Inseln gemacht habe zu den Erlebnissen, die ich in meinem Leben nicht missen möchte.

Leave a Response