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Wer hat die dickeren Eier beim Stierkampf?

Wer hat die dickeren Eier beim Stierkampf?

27. Mai 20142517Views2Comments
Stierkampf

Der Stierkampf: Kultur, Sport, Mutprobe oder Ego-Kompensation für zu kleine Spanier? Es mag sein, dass es etwas Mut bedarf, mit einem ausgewachsenen bis zu 650 Kg schweren Stier die Arena zu betreten. Doch weder ist es ein Kampf von Mensch gegen Stier, weil die Picadores, die berittenen Lanzenreiter, dem Torero zur Seite stehen, noch ist es sonderlich einfallsreich, mit äußerst scharfen Schwertern auf das Tier einzustechen. Woher die über 500 Jahre alte Tradition kommt, kann und will ich auch nicht beantworten. Tatsache ist aber und bleibt es auch, dass es sich im Zuge der heutigen gesellschaftlichen Entwicklung um zur Schau gestellte Tierquälerei handelt. Es mag sein, dass Toreros hoch angesehene Menschen sind, allerdings nur in ihrer eigenen kleinen Gesellschaft. Für den weit größeren Teil der Bevölkerung sind sie überholte Relikte aus einer Zeit, in der Männer sich auf die eine oder andere Art und Weise beweisen mussten. Es gibt nicht viele Kampfstiere, im Spanischen „Toro de Lidia“ genannt, welche die Arena lebend verlassen haben, wie „Murciélago“ – die Fledermaus, „Gordito“ – das Dickerchen oder „Civilón“, der aufgrund von Protesten im Stadion am Leben gelassen wurde. Das war im Juni 1936 und belegt, dass sich schon vor fast achtzig Jahren Menschen gegen den Stierkampf lautstark geäußert haben. Es gibt berühmte Zuchtlinien, die zum Ziele haben, besonders aggressive und starke Stiere heranzuzüchten, um diese gegen die Toreros in den Arenen kämpfen zu lassen.

Stierkampf ist Kultur und vor allem Business

Das es nicht nur um kulturelle Befindlichkeiten geht wird deutlich, wenn man sich die Zahlen ansieht. Milliarden werden damit verdient. Ob in den Zuchtbetrieben oder durch Subvention aus dem EU-Topf, es soll sich nach Angaben der Branche um 1,5% des Bruttoinlandsprodukts drehen.

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Fürwahr eine Größenordnung, bei der man als angeschlagene Volkswirtschaft schon mal hellhörig werden kann. Im November 2010 hat es bereits einen Versuch gegeben, den Stierkampf als schützenswertes Kulturgut zu erheben. Seinerzeit scheiterte das Vorhaben am ehemaligen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero. Heute besitzt die konservative Volkspartei die Mehrheit in beiden Kammern und deren Ziel ist es, „den Erhalt und die Förderung des Stierkampfes als kulturelles und materielles Erbe aller Spanier zu garantieren“. So zumindest bringt es Juan Manuel Albeanda auf den Punkt. Ob die Mehrheit der Spanier diesem Verlangen nachkommt, bleibt abzuwarten. Die Tage der Erhaltung und Förderung des Stierkampfes könnten aber gezählt sein. Immer mehr Jugendliche interessieren sich heute für Fußball oder Moto GP, und haben längst einen viel höheren Stellenwert als der Stierkampf. Und auch bei diesen Veranstaltungen werden Milliarden umgesetzt. Dabei muss man sicher ebenso viel Mut aufbringen, wenn man über 260PS auf zwei Rädern am Limit bewegen will, wie es der amtierende Weltmeister Marc Marquez, der Ex Weltmeister Jorge Lorenzo oder auch ein Dani Pedrosa vorführen. Alle drei sind Spanier und haben die Massen längst für sich gewonnen, ohne dafür Tiere quälen zu müssen. Und ja, es ist Kultur, aber die ändert sich auch, ja muss sich sogar ändern. Wie würde sich wohl die Mehrheit der Menschen entrüsten, wenn der Holocaust zum Kulturerbe ernannt würde. Der Aufschrei wäre berechtigt und unüberhörbar. Beim Stierkampf ist die gesellschaftliche Entwicklung scheinbar noch nicht soweit. Unter anderem zeigt sich die gesellschaftliche Entwicklung auch am Umgang mit den Tieren. Darüber darf ruhig einmal nachgedacht werden. Das die Katalanen schon vor über zwei Jahren den Stierkampf verboten haben, lag den Konservativen in Madrid schon damals quer im Hals. Nun dürfen sich scheinbar doch wieder die Befürworter der Corridas freuen, weil das Verbot scheinbar hinfällig ist.

Corridas auf den Kanarischen Inseln

Seit dem 30.04.1991 gibt es keine Stierkämpfe mehr auf den Kanarischen Inseln. An diesem Tag wurde das Tierschutzgesetz 8/1991 zum Schutze der Haustiere beschlossen. Stiere zählen zwar nicht zu den Haustieren, doch hat das Gesetz dazu geführt, dass seit dem auf den kanarischen Inseln auch keine Stierkämpfe mehr stattfinden. Das Gesetz sollte vorwiegend die Hunde-und Hahnenkämpfe verbieten. Nun hat sich ein Unternehmen der Stierkampfbranche gegenüber der internationalen Presse geäußert, dass es bereits in Verhandlung mit der Kanarischen Regierung stehe, dort wieder Stierkämpfe zu veranstalten. Warum dieses Unternehmen derzeit anonym agiert, ist scheinbar nur mit der Tatsache großer Feigheit zu erklären. Anonym jedenfalls lässt das Unternehmen berichten, dass es ein positives Ergebnis seitens der kanarischen Regierung erwartet. Die Zuversicht dieses Unternehmens scheint sich darauf zu stützen, dass der Stierkampf nun zum UNSECO Kulturerbe anerkannt wurde. Dem Fass den Boden schlägt aber die Aussage des Unternehmens aus, „Wir werden alles versuchen das Gesetz zum Schutze von Tieren auf den Kanaren zu umgehen“ Ich jedenfalls beantrage schon mal bei der UNESCO den Holocaust zum Kulturerbe zu erheben. Jeder mit Intelligenz bereicherte Leser sollte hier ganz klar die Ironie, aber auch eine gewisse Verzweiflung der letzten Zeilen erkennen. Sie sollen nur deutlich machen, wie pervers zum Teil von vermeintlich intelligenten Menschen entschieden wird.

Glauben wir an das Gute im Menschen, dann wird es zum Vorschein kommen…..

Ihr Jean-Bas

Jean-Bas

Jean-Bas

Eigentlich sollte es immer Italien sein, dann kam der Urlaub auf La Palma und jetzt wohnen wir hier.............

2 Comments

  1. Jedes Jahr werden alleine in Spanien über 40.000 Stiere getötet. Die Stierkampf-Industrie erhält schätzungsweise etwa 530 Millionen Euro an Subventionen von der EU. Ohne diese Mittel könnte das blutige Spektakel gar nicht stattfinden. Noch bevor die Tiere die Arena betreten, werden sie mit Elektroschocks traktiert. Oft verabreicht man ihnen Abführmittel und in ihre Augen wird Vaseline gerieben, um ihre Sehkraft zu trüben. In der Arena angekommen werden sie mit Lanzen und Speeren verletzt und gequält. Nach der grausamen Prozedur versucht schließlich der „Matador“, die geschwächten und panischen Tiere mit seinem Schwert zu töten. Oft genug verfehlt der Matador das Rückenmark und das Sterben dauert qualvoll lange.

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